Freitag, 19. August 2016

Zweckehe statt Liebesheirat - Der HOKAONE Clayton im Test

Die Versprechungen sind hoch, die Werbesprüche sind vollmundig, doch die Wahrheit sieht für mich ein bisschen anders aus.

Optisch ist der Schuh ein Highlight, aber da ist HOKAONEONE meines Erachtens ja schon immer gut dabei. Leuchtende kräftige Farben lassen den Schuh herausstechen und ziehen die Blicke auf sich.


Mit 233 Gramm in Größe US10 entspricht der Schuh den offiziellen Angaben und gehört damit zu den Leichtgewichten. Allerdings trennen ihn vom Feeling, speziell am Fuß doch einige Gramm von meinem Lieblingsschuh, dem Clifton2 aus selbem Hause.


Dass die hohe Sohle den Eindruck von Plateauschuhen vermittelt bin ich schon gewohnt und kann ich bewusst ignorieren. Die Sprengung ist mit 4 mm dezent und ergibt auf den ersten Einstieg ein angenehmes Tragegefühl. Die Schnürsenkel sind, wie von HOKAONEONE gewohnt perfekt und halten auch ohne Doppelknoten. Warum können andere Laufschuhhersteller das nicht?



Die Sohle ist in kleine Felder, fast Waben eingeteilt und erinnert ein wenig an die Konstruktion der Nike Free Modelle. Ob die Sohle ebenso flexibel ist, muss der Test zeigen.


Allerdings merke ich von ersten Laufschritt an, dass dieser Schuh ganz anders ist. Die Sohle ist ungewohnt fest und stabil, sicher auch komfortabel auf langen Strecken, aber das Aufnehmen von Tempo und ein leichter, beschwingter Laufschritt will mir zumindest anfänglich nicht gelingen.

Ich trage die Schuhe regelmäßig bei Tempodauerläufen und im Intervalltraining, auch einen 10 km Wettbewerb habe ich schon mit dem Schuh absolviert, aber wenn ich ihn mit meinem Wettkampfschuh von Brooks, dem guten alten Racer ST5 vergleiche, so bin ich jedes Mal enttäuscht.

Ein direktes Bodengefühl, ein dynamischer Abdruck und besonderer Vortrieb bei hohem Tempo stellt sich bei mir einfach nicht ein.

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Auch die Sohle zeigt nach knapp 100 km schon deutlichere Abnutzungserscheinungen, eine Eigenschaft die ich dem HOKAONEONE Clifton2 nach nunmehr 700 km gerne verzeihe, aber nicht dem quasi neuen Clayton.

Zu allem Unglück laufe ich mir sogar bei einem Tempodauerlauf eine Blase im Fussbett, das hatte ich wirklich schon sehr lange nicht mehr auf einer Kurzdistanz. Nachdem ich dünnere und straffer sitzende Socken sorgfältiger als sonst anziehe, geht es besser.
Auf meinen ausgetretenen Waldwegen, die ich sonst mit jedem Schuh gut laufen kann fühle ich mich eher hölzern und habe sogar Angst vorm Umknicken.

Soweit der erste Teil meines Tests. Lange überlege ich, ob ich den Schuh nicht einfach in die Ecke werfen soll, und warum alle anderen Tester so positiv über den Clayton schreiben.



Jetzt eben der zweite Teil:

Wir haben und aneinander gewöhnt. Ich trage den Clayton weiterhin bei schnellen Läufen auf Asphalt und ich komme jetzt meist in den Flow. Der Abdruck stimmt und auch das Tempo will gelingen. Extrem stark schlägt sich der Clayton auf feuchtem Asphalt, und unter diesen Bedingungen könnte ich mir jetzt einen erneuten Wettkampfeinsatz vorstellen.

Nach wie vor glaube ich, dass der Schuh eher etwas für schwerere Läufer ist, ähnliche Gewöhnungsprobleme hatte ich auch mit einem Luxusschuh einer anderen Laufmarke, bei dem alle
Läufer jenseits der 75 kg in Begeisterungsstürme verfielen.

Die Geschichte mit der Blase macht mich allerdings vorsichtig. Schon einmal hatte ich einen Schuh, der mir bis zum Halbmarathon wie am Fuß zu kleben schien, aber auf jeder längeren Distanz Blasen von unschöner Größe und Hartnäckigkeit verursachte.


So bleibt der HOKAONEONE Clayton für mich hauptsächlich ein Trainingsschuh, um den Trainingsalltag eine wenig zu durchbrechen und meinen Wettkampfschuh zu schonen, mehr leider nicht.

Dagegen freue ich mich schon auf Clifton3 aus gleichem Hause, hier schlafe ich aufgrund der bevor-stehenden Modellpflege bereits heute ganz unruhig.

Bilder: Eigene

Disclaimer: Der Schuh wurde mir von HOKAONEONE unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Der Test spiegelt ausschließlich meine eigene Meinung wieder. 
Speziell bei Laufschuhen sind die Testergebnisse sehr individuell und ich empfehle jedem Läufer eine entsprechende Beratung in einem Fachgeschäft vor Ort.

Donnerstag, 11. August 2016

GPS oder die Vorspiegelung falscher Tatsachen


Oft wurde es schon moniert. Selten sind sich die Läufer einig und doch kommt es speziell bei Volksläufen auf Kursen, die nicht offiziell vermessen sind, immer wieder zu Diskussionen über die Länge der Strecke. So auch wieder am 31.7.2016 beim Halbmarathon des TGS Hausen im Rahmen des Main-Lauf-Cups.

Dazu muss man wissen, wie denn eigentlich eine GPS Standortbestimmung überhaupt funktioniert und wie genau sie eigentlich sein kann.
Von vorne herein liegt die Genauigkeit nur bei etwa 10-20 m und ist zusätzlich von einigen Faktoren abhängig, die aus dem Schulwissen der Geometrie leicht verständlich sind. Für eine 2-dimensionale Standortbestimmung(Längen- und Breitengrad) benötigt man die Daten von mindestens 3 Satelliten, für eine 3-dimensionale Position (zusätzlich Höhe) sogar 4. Dazu wird die Berechnung umso genauer, je weiter die Satelliten voneinander entfernt sind.
Von noch grösserer Bedeutung allerdings ist das sogenannten Phänomen der Abschattung. In Häuserschluchten (oft bei mir in Frankfurt), im Tal, an Bergflanken und eben im Wald besteht oftmals keine direkte Sichtverbindung zu den Satelliten, so dass es hier zu entsprechenden Fehlkalkulationen kommt.
Auch die Dämmung der Signale unter Kleidung, bei einer eventuellen Wolkendecke oder eben im Wald sorgt für eine weitere Abschwächung des GPS-Signals.
Da es ja nur eine endliche Zahl an Satelliten im All gibt ist es daher auch kein Wunder, wenn die meisten Uhren ähnliche Ergebnisse ausweisen.

Nahezu übereinstimmend hatten also alle Läufer am letzten Juli-Wochenende auf ihren GPS-Uhren eine bisweilen drastisch zu kurze Laufstrecke mitgestoppt. Was das bedeutet, ist für die Meisten klar. Man kann sich über erlaufene Bestzeiten am Ende gar nicht so freuen.


Auch auf meiner Uhr standen im Ziel lediglich 20,31 km. Also Anlass genug, sich den Fall einmal genauer anzusehen. Ich lud die abgelaufene Strecke auf www.gpsies.com hoch und, das hatte mich bereits im Wald kräftig irritiert, es gab beträchtliche Abweichungen.

Bei fast allen Kurven zeichnete mein GPS, im Wald durchaus üblich kräftige Abkürzungen auf. Also machte ich mir die Arbeit  und letztlich auch das Vergnügen, den Streckenverlauf zu korrigieren.

Ich war zwar nicht übertrieben penibel, aber alle großen Bögen auf der schnurgeraden Strecke und die diversen Abkürzungen um die Kurven führte ich wieder auf die mehrfach zu laufenden Waldwege.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen und nicht ganz überraschend maß ich jetzt eine Streckenlänge von über 21,1 km!



Den neu "vermessenen" Kurs findet ihr hier.

Zwar ist das nach wie vor eine Zahl, die keinerlei offiziellen Charakter hat, macht aber deutlich, dass man sich keinesfalls von seiner Laufuhr, auch wenn andere das gleiche Ergebnis haben, ins Bockshorn jagen lassen sollte.

Für alle, die am 31.7. eine Bestzeit gelaufen sind: Ihr dürft euch zu Recht freuen!

Quelle: Openstreetmap

Freitag, 5. August 2016

Wenn einmal der Wurm drin ist

Irgendwie ist es im Moment wie verhext.

Nach meinem erfolgreichen Wiedereinstieg im November kam das Gefühl und der Erfolg für Distanz recht schnell zurück. So war ich mehr als zufrieden mit meinem Finish beim Rodgau50 und auch die Vorbereitung  für den Weiltalmarathon verlief problemlos.

Dort allerdings zeigte mein Einbruch auf der zweiten Rennhälfte und auch die folgenden 10 km Wettkämpfe, das mir die nötige Tempohärte und vielleicht auch die Bereitschaft, an meine Grenzen zu gehen zur Zeit einfach fehlt.
Wenn noch einer weiteren Beweis dafür gebraucht hätte, so kam es am vergangenen Wochenende dazu. Weder Zahlreiche Tempoläufe und auch Intervalltrainings, noch lange Läufe über die Halbmarathondistanz konnten dafür sorgen, dass ich beim Halbmarathon meines Heimatvereins in Hausen mein theoretisches Leistungsvermögen auch abrufen konnte.

Ok, ich hatte die Nacht vorher, aus welchen Gründen auch immer, kaum bis gar nicht geschlafen. Aber trotzdem wurden bereits nach 5 km meine Beine schwer und ab KM 7 musste ich mein Tempo deutlich reduzieren, um überhaupt das Rennen beenden zu können. So kam ich, wie bereits im Weiltal in den Genuss , in der zweiten Rennhälfte quasi überlaufen zu werden. Ein wenig freudiges Geschehen, dass die Zuversicht noch weiter sinken lässt.

Zwar konnte ich auf dem letzten Kilometer immerhin zwei Läufer wieder einholen und auch meine Gesamtzeit von 1:45:32 ist jetzt auch nicht so schlecht, aber der Blick auf die Splitzeiten ist ein wahres Desaster.
Bis zum nächsten Wettkampf bleiben gerade vier Wochen, um das Krönchen zu richten und entweder Training, Einstellung oder Zeitziele zu korrigieren 🤔



P.S. Der Volkslauf in Hausen ist ein fantastisch organisiertes Event. Schülerläufe über diverse Distanzen, Erwachsenenläufe über 5, 10 und 21,1 km stehen auf dem Programm. Bei Essen und Trinken bleiben kaum wünsche offen, so das ich jedem Volksläufer die Teilnahme empfehlen kann.

Auf der Facebook-Seite des Main-Lauf-Cups findest du ein Video mit fantastischen Emotionen.